Journalist Alexei Bobrovnikov mit Mord gedroht

Journalist Alexei Bobrovnikov mit Mord gedroht

Annähernd zwei Stunden berichtete der ukrainische Journalist Alexei Bobrovnikov (links) im Presse-Club über den Schmuggel von Waffen, Drogen und Tabakwaren in der Ukraine. Er erhielt Morddrohungen und flüchtete nach Deutschland. Neben Bobrovnikow Dolmetscherin Olena Kharchenko, Presse-Club-Präsident Roland Seiter und Martina Bäurle, Geschäftsführerin der Hamburger Stiftung für politisch Verfolgte.

Baden-Baden. In seiner Veranstaltungsreihe „Leute, die was zu sagen haben“ hatte der Presse-Club im Kaminzimmer des Atlantik-Parkhotels Alexei Bobrovnikov (37) zu Gast. Der preisgekrönter ukrainische Print- und TV-Journalist geriet wegen seiner Recherchen über ein weitverzweigtes Schmuggel- und Geldwäschenetz in den umkämpften ostukrainischen Gebieten in Lebensgefahr.

Die seit 2014 umkämpfte Region Donbas ist seit dem Austritt der Ukraine aus der UdSSR ein Tummelplatz für Schmuggler, Geldwäscher und das grenzübergreifende Organisierte Verbrechen. Um den Schmuggel aus dem Donbas mit Waffen, Tabak, Treibstoff, Hilfsgütern, Gold und anderem nach Russland und in die Ukraine zu unterbinden, rief die Regierung in Kiew eine spezielle Fahndertruppe ins Leben. Der Chef und einige Mitglieder dieser Einheit, aber auch diverse Strippenzieher unter den Schmugglern und ihren politischen Hintermännern kamen seitdem ums Leben.

Die Hintergründe hat Alexei Bobrovnikov zusammen mit in London arbeitenden Journalisten und einer russischen Kollegin recherchiert. Bobrovnikov vermutet, dass Angehörige der an der Grenze zum Donbas stationierten ukrainischen Einheiten in die Schmuggelgeschäfte, aber auch in viele Morde verwickelt sind. Mit dieser Recherche hat er sich mächtige Feinde nicht nur im ukrainischen Militär geschaffen. Die in die Ereignisse verwickelte 92. Brigade etwa genießt seit ihren Kampfeinsätzen in Afghanistan, dem Irak und zuletzt im Donbas nationalen Heldenstatus. Bobrovnikov wurde mehrfach und sogar vor laufender Kamera bedroht. Diese Drohungen hörten selbst während seines monatelangen Untertauchens in der Westukraine nicht auf. Erst Anfang September 2016 warnte ihn einer seiner Informanten vor einem Mordplan des ukrainischen Militärgeheimdienstes. Bobrovnukov konnte fliehen und ist jetzt als Gast der Hamburger Stiftung für politisch Verfolgte in Sicherheit. Roland Seiter